Wenn (1)


Wenn…  (I)

Wenn Gleich und Gleich sich gern gesellt

in jeglicher Beziehung

 

wenn Gegensätze dieser Welt

verwischen durch Gedankens Biegung

 

wenn Bögen dabei überspannt

durch Kompromisse platzen

 

dann stehen wir in diesem Land

vor x-Millionen ‚Glatzen’

 

©Joachim Rohlfing

Plunder… (Gedicht+Karikatur)


Zum Gedicht ‚Plunder‘ liefere ich gleich eine Karikatur aus „Der Wahre Jakob“ aus dem Jahre 1902 (!) dazu.

Plunder

In irgendeiner langen Nacht

wenn Wachsein deinen Schlaf bewacht

Gedankenwelten fest umnebelt

die Zweifel aus den Angeln hebelt

bekannt, geehrt – man ist ja wer

kann stolz sein auf das Kontenmeer

mit Macht hat man’s zu was gebracht

sich abgehoben das es kracht

 

was juckt da schon so’n armes Würstchen

das Hunger hat und auch noch Dürstchen

mit deiner Hand- und Kopfeskraft

ziehst selbst dir ab den Egosaft

 

denn all der hier gesagte Plunder

brennt irgendwann mal auf wie Zunder

©Joachim Rohlfing

 

WW-Netz -Bescheid (verschoben).jpg

Menschenland…


Menschenland

Was geht vor im Menschenland

wenn Viele dumm und arrogant

für Fremdes nicht bereit und offen

im Gegenteil sich damit zoffen

Gedanken wohl aus Nazi-Zeiten

in ihnen noch den Schimmel reiten

der Staat zieht an Gesetzesstrenge

zu züchtigen die dumme Menge

mit Wurzeln aus dem Boden reissen

wie hat es immer schon geheissen

wir schützen unser Vaterland

verteidigen den Tellerrand

vor Dieben, Fremden – all so`n Mist

für Viele das die Denke ist

Der Umkehrschluß nur kurz bemerkt

dem Denkenden den Rücken stärkt.

©Joachim Rohlfing

Kurzgeschichte ‚Beerdigung…‘ (d/e)


Die Geschichte hätte sicherlich zu Totensonntag besser gepasst, doch zu dem Zeitpunkt war das nicht in der Planung. Also jetzt:

Beerdigung

 Da sitzen sie in der Kapelle.

Der mit Kränzen und Blumen bedeckte und eingerahmte Sarg im direkten Blickfeld. In Kübeln hochgezogene Buchsbäume stehen leibwächterartig dezent an den Seiten. Schwer vorstellbar, dass deren Anwesenheit bezahlt werden muss. Auch das hat seinen Preis.

Stille…

Einige husten bemüht reduziert. Der verlegene Blick aus den Augenwinkeln.

Nur nicht die Blicke anderer auf sich ziehen.

Hier und da Getuschel.

Wer ist die Unbekannte neben dem Schwiegersohn des Verstorbenen …?

Stirnrunzeln …

Der Schwerhörige fragt seine Frau laut : „Wo sitzt eigentlich die Hedwig ..?“

Gestikulierende Ortszuweisung.

Peinlich …

Einige grinsen amüsiert vor sich hin.

`Der merkt auch nichts mehr …´

Na ja, in dem Alter.

`Wie lange der das wohl noch macht ..?´

Andere stecken die Köpfe zusammen und zupfen an ihrer Kleidung.

Die Glocke läutet.

Die Blicke zur Uhr – wenigstens pünktlich.

Jetzt denkt kaum jemand daran, dass dieses Geläut auch bezahlt werden muss. Egal, es gehört nun mal dazu.

Der Pfarrer betritt die Kapelle.

Erhabene Stille…

Er bleibt kurz vor dem Sarg stehen und schreitet dann zur Kanzel.

Das Manuskript liegt bereits vor ihm.

Sein Blick schweift in Richtung Hinterbliebene.

Er spricht langsam und bedächtig über den Verstorbenen, sein Leben, die Anzahl seiner Kinder und dass er ein rechtschaffener Mann war.

Er bittet Gott, dass er diesen Verblichenen doch in sein Reich aufnehmen möge.

Obwohl er bereits vor vier Tagen verstorben war…

Ich verdränge die Frage, wo er denn wohl die Zeit dazwischen verbracht hat…  In einer Art `Sammelstelle´ für Seelen ? Darauf wartend, nach der Fürbitte eines Pfarrers … –  mein Gott!

Viele sind tränenweich geworden.

Einige schluchzen laut.

Man hätte ihn ja auch öfter besuchen können. Seine Krankheit war ja bekannt. Doch… wer wusste schon, dass das mit ihm so schnell zu Ende geht…

Der Pfarrer hat auch wirklich gut gepredigt.

So einfühlsam…

Die Sicherheit vermittelnd, dass er auch wirklich dahin kommt, wohin sie ihn alle wünschen …

Das muss ein sehr großes Ziel sein!

Einige sehen mit eiserner Miene am offenen Grab zum Sarg hinab.

Da soll er wirklich drin liegen?

Kein Zweifel.

Doch …

Ob seine Seele, das eigentliche ‚Ich’ der physischen Existenz, wohl wiedergeboren wird – in einem anderen Körper?

Reinkarnation?

Ist das der Grund für den Satz: `Liebe deinen Nächsten wie dich selbst´?

Ist das die Hoffnung – die Erlösung?

Die Perspektive?

Seelenzuweisung?

Neuverteilung?

In was für einen Körper?

Oder braten in irgendeiner Hölle?

Ein gewisser Schauer bleibt…

Er war ein so rechtschaffener Mann.

Doch wo sind seine Erfahrungen, seine Gefühle,

seine Gedanken geblieben?

Gelöscht? Wie eine Festplatte?

Nur noch Vakuum im leblos Feststofflichen?

Das kann es nicht sein…

Vielmehr – ist es nicht vielleicht so, dass zu Lebzeiten die Seele jede x-tel Sekunde quasi wie eine Datenübertragung mit ihrem Ursprung kommuniziert – sich austauscht?

Über Gedanken und Taten?

Je intensiver das Seelenleben, desto größer die Datenflut…?

Der Gedanke gefiel mir, gab mir Hoffnung.

©Joachim Rohlfing

in English:

burial

 There they are in the chapel.

The coffin, covered and framed with wreaths and flowers, is in direct view. Box trees raised in tubs stand discreetly on the sides like bodyguards. It is hard to imagine that their presence would have to be paid for. That also has its price.

Silence…

Some coughing endeavors reduced. The embarrassed view from the corner of their eye.

Just don’t attract the looks of others.

Here and there whispering.

Who is the unknown next to the son-in-law of the deceased …?

Frown frown …

The hearing-impaired asks his wife loudly: „Where is Hedwig sitting …?“

Gesticulating allocation of a place.

Embarrassing …

Some grin amusedly to themselves.

`He doesn’t notice anything either …‘

Well, at that age.

`How long does he think he’ll keep doing that??‘

Others put their heads together and pluck their clothes.

The bell rings.

The glances to the clock – at least punctually.

Now hardly anyone thinks about the fact that this ringing has to be paid for. Anyway, it’s part of it.

The priest enters the chapel.

Sublime silence…

He stops just in front of the coffin and then walks to the pulpit.

The manuscript is already in front of him.

His gaze wanders towards the bereaved.

He talks slowly and thoughtfully about the deceased, his life, the number of his children and that he was a righteous man.

He asks God to welcome this deceased into his kingdom.

Although he had already died four days ago…

I suppress the question where he probably spent the time in between…  In a kind of ‚collection point‘ for souls ? Waiting for it, after the intercession of a priest … – my God!

Many have become soft with tears.

Some sob loudly.

One could have visited him more often. His illness was well known. But… who knew that it would end so quickly with him?

The priest also preached really well.

So sensitive…

Conveying the certainty that he really gets where they all want him to go …

That must be a very big goal!

Some look down with an iron face at the open grave to the coffin.

Is he really supposed to be in there?

No doubt about it.

But …

Whether his soul, the actual ‚I‘ of physical existence, will probably be reborn – in another body?

Reincarnation?

Is that the reason for the sentence: ‚Love your neighbor as yourself‘?

Is that hope – salvation?

The perspective?

Soul assignment?

Redistribution?

In what kind of body?

Or fry in some hell?

A certain shiver remains…

He was such a righteous man.

But where are his experiences, his feelings,

What did he think?

Deleted? Like a hard drive?

Only vacuum in the inanimate solid?

That it can not be…

Rather – isn’t it perhaps the case that during one’s lifetime the soul communicates with its origin every umpteenth second like a data transmission – exchanges itself?

About thoughts and deeds?

The more intensive the soul life, the greater the flood of data…?

The thought pleased me, gave me hope.

©Joachim Rohlfing

Translated with http://www.DeepL.com/Translator (free version)

Diskussion…


 

Diskussion

Die Themen geben sich die Hand

im posthumierten Phrasenzänkel

wird diskutiert am Tellerrand

mit Intellekt und Standesränkel

 

`Natürlich´ heißt es moderat

verhagert sitzend Beingedrehe

schon wieder läuft´s hier falsch im Staat

wer Ohren hat, verdammt der sehe

 

Opposition und die Regierung

in abgerundeter Kantigkeit

nur Millimeter auf Entfernung

in tagesgeschäuter Kriegsrätigkeit

 

Vergilbtes Breitgegrinse

als real genetische Drift

beschlägt der Kamera die Linse

für Ehrlichkeit das zarte Gift

©Joachim Rohlfing

Fenstersturz… (d/e)


Ein Gedicht -wie das folgende- ins Englische zu übersetzen, war ein Versuch. Reime sind nicht gelungen – die Aussagen bleiben. Eine englische Version war eigentlich gar nicht geplant, doch einen Versuch war es wert (dank DeepL).

 

Fenstersturz 

Die grüne Lunge dieser Erde

Brasilien und auch anderswo

klagt an mit knallharter Beschwerde

was Mensch da macht das geht nicht so

 

sägt ab den Ast auf dem er sitzt

nicht wahrnimmt wohl Finalabsturz

welch Ignoranz da so aufblitzt

Ersatzplanetens Fenstersturz

 

vergiß nicht Mensch du bist nicht Gott

extremes Schlaffbild maximal

denn dein beknackt Gedankenschrott

reicht höchstens nur für Dummdenkmal

 

es sei denn du begreifst das Thema

verführt durch klaren Morgentau

entsetzt begreifst Geschichtes Schema

fang an und schreib Geschichte now

 

© Joachim Rohlfing

in English

window lintel

The green lung of this earth

Brazil and elsewhere

accuses with tough complaint

what humans do it doesn’t work that way

saws off the branch he’s sitting on

not perceived probably final crash

what ignorance there is so flashing

Spare planet’s window lintel

don’t forget man you’re not god

extreme sleep pattern maximum

because your stupid mind junk

is only enough for Dummdenkmal at the most

unless you understand the subject.

seduced by clear morning dew

horrified to understand history schema

start and write history now

 

© Joachim Rohlfing

Translated with http://www.DeepL.com/Translator 

Demnächst: Gedichte und Geschichten aus ‚Menschenland‘


Die folgenden Beiträge werden Gedichte aus meinem Buch ‚Menschenland‘ sein, die ich hier poste und um Beachtung der Urheberrechte bitte. Also vor Weiterverwendung bitte ich um Rücksprache zur Freigabe.

Bildschirmfoto 2019-12-05 um 23.12.35.jpg

 

Das ist keine PR oder verkaufsfördernde Maßnahme, sonst würde ich es hier nicht posten. Das kommerzielle Interesse nimmt bei mir keine Spitzenrolle ein.

Nach und nach werden Gedichte und auch mal Kurzgeschichten gepostet – z.B. eine Weihnachtsgeschichte kurz vor dem ‚Glämmerfest‘, die (wie kann es anders sein) nachdenklich macht … oder machen kann.

Die Gedichte und Stories sind eine Hommage an meine Leserschaft – mittlerweile in über 20 Ländern dieses blauen Planeten. Von allen Kontinenten, bis auf Australien und der Antarktis (Pinguine mit Smartphones etc. kann ich mir nicht vorstellen)  … Danke!

Nur… Gedichte ins Englische zu übertragen, wird nicht mein Ding sein – sorry.