‚Unsinn Hölle‘, Teil 4 … ‚Nonsense hell‘, part 4 …


(English below as always)

Deutsch

Bei all dieser Erkenntnis:

Warum beanspruchen die konkurrierenden Ausrichtungen der Interpretation von menschlicher Lebensgestaltung und -Ausführung die Richtigkeit ihrer Sichtweisen bis hin zur Dogmatisierung? Dazwischen liegt die Mühe, die geistige Arbeit, die über den Alltag und dessen Probleme hinaus geht und Zeit beansprucht. Das inhaltlich und zeitlich zu umgehen, nehmen Menschen gerne in Anspruch, indem sie solche Denkarbeit an Institutionen weiterreichen, die eine gesellschaftlich zugeteilte Kompetenz vorweisen können. Denn das ist ihre Zeit (die der Menschen), die nicht der Gewinnmaximierung dient und als Zeitverschwendung angesehen wird. Dafür kann man sich schließlich nichts kaufen.

Hirngespinste, die sowieso nicht erreichbar zu sein scheinen und aus der Sicht auch nicht sind. Und genau da ist eine markante Grauzone der menschlichen Schwächen und genau da wird sie bedient und schamlos ausgenutzt. –

Wie eben betrachtet, ist es überhaupt kein Problem, sich ohne Dogmen den Tiefen der Gedanken über die menschliche Existenz zu nähern und darin einen Eigenanteil zu finden.

Jedes Individuum hat das Recht, in geistiger und körperlicher Freiheit seine Vorstellungen zu entwickeln und auszubauen. Und auch natürlich das Recht, sich gegen Angst machende Phantastereien Anderer zu wappnen. Ein altes Verb, doch nach wie vor sehr treffsicher.

Immer unter der unantastbaren Anforderung, Leid für sich und andere zu vermeiden. Egal in welcher Art und in welchem Ausmaß.

Da solche Vorstellungen nur einen zeitlich begrenzten Gültigkeitswert -wenn überhaupt- besitzen, setzt dann geradezu zwangsläufig die Sogwirkung des überspitzt Realen ein und die Risikobereitschaft zum Austesten der Grenzen des Vertretbaren steigt und steigt. Koste es was es wolle und wen es wolle.

Vor Jahren konstruierte ich aus bekannten Gottesbildern und Vorstellungen eine sehr einfache und wechselseitig zu betrachtende Szenerie, die das Absurde vielleicht auf den Punkt bringt:

Gott sprach zu Allah: ‚Wer bist du eigentlich?‘

Allah antwortete: ‚ Schau einfach in einen Spiegel…

Soviel zur religiösen Personifizierung eines Gottes. Ein Bezug zu existierenden Gesellschaften und der Menschen darin kann wohl kaum schlichter dargestellt werden.

Dieses kleine, sehr einfache Gedankenkonstrukt zeigt ein absurdes Bild geistigen Stillstandes. Es verdeutlicht eine Art Einsamkeit, die von einem trügerischen Gruppenbild aufgesogen wird. Trügerisch, weil es nebulös bleibt und manipulierbarem Missbrauch zuspielt. Das Individuum wird eingenebelt von konstruierten Interpretationen Anderer, die unreflektiert betrachtet zu realer Gefolgschaft führt.

Also wie scheinbar signierte Nachdrucke eines Originalbildes, um die jeder nach seinem Geschmack einen ihm gefälligen Rahmen bastelt oder sich aufschwatzen lässt und sagt oder behauptet, dass seine Version die treffendste ist, obwohl er das Original nie persönlich gesehen hat. Aus gedacht männlicher Sicht frei nach der infantilen Vorstellung:

‚Meine Freundin ist viel schöner als deine.’

Das ist eine Fiktion, die sich perfekt als Werkzeug für Seelenfänger aller Art eignet und genauso ihr Unwesen in der Menschheitsgeschichte getrieben hat, noch treibt und wenn das Besitz- Wachstums- und Abgrenzungsdenken der Weltbevölkerung keine andere Richtung vermittelt bekommt oder von innen heraus erarbeitet, auch weiterhin treiben wird. —

Das sind Feststellungen. Doch – was wäre, wenn den Menschen diese Vorarbeit des Denkens genommen würde? Anarchie? Dann ist das beschriebene Szenario eine gesellschaftliche Notwendigkeit – das Opium zur Ruhigstellung der Menschen, die sich nicht der Schwerstarbeit des reflektierten Denkens unterziehen wollen oder können? Und denen es vielleicht sogar sozusagen egal ist, ob das so ist? Bei dem Gedanken zieht es einem die linke und/oder rechte Augenbraue hoch…

>> Kapitel Ende <<

English

With all this realization:

Why do the competing interpretations of human life design and execution claim the correctness of their views to the point of dogmatization? In between lies the effort, the intellectual work that goes beyond everyday life and its problems and takes up time. People are happy to circumvent this in terms of content and time by passing on such intellectual work to institutions that can demonstrate a socially assigned competence. After all, this is their time (people’s time), which is not used to maximize profits and is seen as a waste of time. After all, you can’t buy anything for it.

Fantasies that don’t seem to be achievable anyway and, from the point of view, aren’t. And that is precisely where there is a striking gray area of human weaknesses and that is precisely where it is served and shamelessly exploited. –

As we have just seen, it is no problem at all to approach the depths of thought about human existence without dogma and to find one’s own part in it.

Every individual has the right to develop and expand their ideas in mental and physical freedom. And also, of course, the right to arm oneself against the fear-mongering fantasies of others. An old verb, but still very accurate.

Always under the inviolable requirement to avoid suffering for themselves and others. No matter what kind and to what extent.

As such ideas are only valid for a limited period of time – if at all – the pull of the exaggeratedly real then inevitably sets in and the willingness to take risks to test the limits of what is acceptable increases and increases. Whatever the cost and whoever the cost.

Years ago, I used familiar images of God and ideas to construct a very simple and reciprocal scenario that perhaps sums up the absurd:

God said to Allah: ‚Who are you?

Allah replied: ‚Just look in a mirror…

So much for the religious personification of a god. A reference to existing societies and the people in them can hardly be presented more simply.

This small, very simple thought construct shows an absurd image of mental stagnation. It illustrates a kind of loneliness that is absorbed by a deceptive group image. Deceptive because it remains nebulous and lends itself to manipulative abuse. The individual is clouded by the constructed interpretations of others, which, when viewed without reflection, lead to real allegiance.

In other words, like apparently signed reprints of an original painting, around which everyone creates a frame to suit their own taste or allows themselves to be talked into it and says or claims that their version is the most accurate, even though they have never seen the original in person. From a thought male point of view, freely according to the infantile imagination:

‚My girlfriend is much more beautiful than yours.

This is a fiction that is perfectly suited as a tool for soul-catchers of all kinds and has done its mischief in the history of mankind, is still doing so and will continue to do so if the ownership, growth and demarcation thinking of the world’s population is not given a different direction or developed from within. –

These are observations. But what would happen if people were deprived of this preliminary work of thinking? Anarchy? Then the scenario described is a social necessity – the opium to sedate people who do not want to or cannot undergo the hard work of reflective thinking? And who perhaps don’t even care, so to speak, whether this is the case? The thought raises the left and/or right eyebrow…

End of chapter <<