‚Unsinn Hölle‘, Teil 3 … ‚Nonsense hell‘, part 3 …‘


(English below as always)

Deutsch

Jesus von Nazareth sagte -der Überlieferung nach- am Kreuz hängend zu einem seine Tat tief bereuenden Mörder an einem anderen Kreuz: ‚Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein!’ Das ist eine Metapher und eine schier übermenschliche Aussage in einer schändlichen, finalen Situation. Ebenso war das praktizierte Vergebung und geistig moralische Hilfe in Perfektion. Das lässt die Ahnung einer tatsächlich übermenschlichen Intelligenz zu, die ich soeben als ‚Institution Gott’ bezeichnete. Das ist die kompetente Institution, das darüber Stehende, mit einer bestechenden, wohl nicht -oder besser gar nicht- reproduzierbaren Logik. –

Allein schon die Tatsache, dass selbst ein Schwerverbrecher im nahenden Tode von einem ‚Mitmenschen’ noch eine -bis dahin spekulative-Perspektive geboten bekommt, die zwar bei erster Betrachtung nicht logisch und irreal erscheint aber nachhaltig betrachtet eine mentale Hilfe von ungeheurer Wucht und von Menschen schwer oder -wie gesagt- gar nicht einschätzbar ist. Nicht ‚fahr zur Hölle, du Mörder!’, sondern die praktizierte Anwendung der von Menschen allgemein geforderten Verhaltensweisen. Und das in der extremsten Situation des Lebens.

Mitgefühl mit einem Anderen – selbst im eigenen Finale. Da passen Theorie und Praxis glaubhaft zusammen. —

Das ist die Besiegelung der Dominanz und Nachhaltigkeit der Nichtstofflichkeit (NStk) über die Stofflichkeit (Stk). In der Zeit der Koexistenz oder Parallelität von Geist und Körper bedarf es der klaren Richtlinien, die Leid verhindernd ausgerichtet sind und letztlich folgend Tod entmystifizieren. Leid und Tod wurden in dem genannten Beispiel zwar nicht verhindert, erhielten aber eine völlig andere Bedeutung als oberflächlich angenommen werden kann. Das Individuum zeigt sich als Sieger über Leid und Tod, indem es in einer unglaublichen Zuversicht und überzeugter Sicherheit auf die NStk setzt und damit Zeit und Raum außer Kraft setzt, da nach dessen vorheriger Aussage der ‚Glaube Berge versetzt’.

Wenn so deutlich und unmissverständlich auf ein ‚Danach’ abgezielt wird, dann ist das nicht nur Phantasie. – Unabhängig davon, welch zum Teil haarsträubenden Unsinn christliche Schriftsteller im Nachhinein daraus konstruierten; damals schon nach dem Motto:

‚Schneller, höher, weiter..‘

‚Schneller, höher, weiter…’ Ein offensichtlich zeitloses Phänomen. –

Festzuhalten bleibt, dass nach all dem hier Ausgeführten nicht das gekrümmte Hinnehmen im Sinne von ‚das wird schon stimmen, was die Anderen sagen…Hauptsache mir geht es gut und man lässt mich in Ruhe’ sein kann, sondern die Auseinandersetzung und die Beschäftigung mit sich selbst, die innere Versenkung also. Das setzt natürlich eines voraus: Freiheit im Denken und damit die Freiheit des Individuums sowie dessen Lebensumstände und die Rahmenbedingungen einer Gesellschaft, die eben das ermöglicht unter dem Mantel der Maxime einer erarbeiteten Vernunft und eines ethischen Bewusstseins. — Eine nicht zwangsläufig religiöse Vernunft.

Religionen und Vernunft im eigenen Sinne scheinen hier nicht zusammen zu passen – oder sind sogar ein schön geredeter Widerspruch in sich. Danach sind die Aussagen zum Beispiel in der Bergpredigt ´vernünftig`, da sie auf eine Verminderung oder gar Vermeidung von Leid abzielen und sowohl individuell als auch gesellschaftlich anwendbar sind oder besser sein können.

So gut wie jeder wird sagen, dass die pazifistischen Aussagen der Bergpredigt in der Praxis und der vorausgesetzten Konsequenz in der sogenannten realen Welt nicht umsetzbar sind, doch… sie sind die darin zu erkennende Parallele des Kant’schen Kategorischen Imperativs, so zu handeln, ´dass die Maxime des Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte’.

Das ist die sogenannte weltliche Sichtweise.

Sind das nur Illusionen? Nur rein theoretische, idealistische Forderungen, die die menschlichen Schwächen ausklammern?

Der Vergleich der religiösen mit der philosophischen Aussage zeigt, das Religiöses und Weltliches durchaus direkte Parallelen zeigen können. Je höher die jeweiligen Ansprüche sind, desto deutlicher führen sie zusammen. Ansprüche, die geistige Aktivität im individuellen und gesellschaftsbezogenen Sinne provozieren sollen. Sie sind eine Provokation gegen Egoismus, Hass, Gewalt, Gier, Gleichgültigkeit, das Wegsehen, zeitloser Dummheit und Arroganz. (Mir ist klar, dass Superlative sich gegenseitig ausschließen: Hier ergänzen sie sich!).

English

According to tradition, Jesus of Nazareth, hanging on the cross, said to a murderer on another cross who deeply regretted his deed: ‚Today you will be with me in paradise! This is a metaphor and an almost superhuman statement in a shameful, final situation. It was also practiced forgiveness and spiritual moral help in perfection. This gives us an inkling of a truly superhuman intelligence, which I have just described as the ‚institution of God‘. This is the competent institution, that which stands above, with a captivating logic that is probably not – or even better, not reproducible. –

The very fact that even a felon in imminent death is offered a speculative perspective by a ‚fellow human being‘, which may not seem logical and unreal at first glance, but in the long term is a mental help of immense power and is difficult or – as I said – impossible for people to assess. Not „go to hell, you murderer!“, but the practiced application of the behaviors generally demanded of people. And this in the most extreme situation of life.

Compassion for others – even in your own final. Theory and practice fit together credibly. –

This is the sealing of the dominance and sustainability of non-materiality (NStk) over materiality (Stk). In the era of the coexistence or parallelism of spirit and body, clear guidelines are needed that are geared towards preventing suffering and ultimately demystifying death. Although suffering and death were not prevented in the above example, they were given a completely different meaning than might be superficially assumed. The individual shows himself to be the victor over suffering and death by relying on the NStk with incredible confidence and conviction, thereby overriding time and space, since, according to his previous statement, ‚faith moves mountains‘.

If such a clear and unmistakable reference is made to an ‚after‘, then this is not just fantasy. – Irrespective of the sometimes hair-raising nonsense that Christian writers constructed from it afterwards; even then according to the motto:

‚Faster, higher, further…‘

‚Faster, higher, further…‘ An obviously timeless phenomenon. –

What remains to be said is that, after all that has been said here, it cannot be the curved acceptance in the sense of ‚what others say will be true…the main thing is that I am well and I am left in peace‘, but rather the confrontation and preoccupation with oneself, i.e. inner contemplation. Of course, this presupposes one thing: freedom of thought and thus the freedom of the individual as well as their living conditions and the framework conditions of a society that makes this possible under the mantle of an acquired reason and ethical awareness. – A not necessarily religious reason.

Religions and reason in their own sense do not seem to go together here – or are even a nicely talked-about contradiction in terms. According to this, the statements in the Sermon on the Mount, for example, are ‚reasonable‘ because they aim to reduce or even avoid suffering and are applicable or can be better both individually and socially.

Just about everyone will say that the pacifist statements of the Sermon on the Mount cannot be implemented in practice and with the assumed consistency in the so-called real world, but… they are the recognizable parallel of Kant’s Categorical Imperative to act in such a way ‚that the maxim of the will could at any time be considered at the same time as the principle of a general legislation‘.

This is the so-called worldly view.

Are these just illusions? Just purely theoretical, idealistic demands that ignore human weaknesses?

The comparison of religious and philosophical statements shows that the religious and the secular can certainly show direct parallels. The higher the respective claims are, the more clearly they converge. Claims that are intended to provoke spiritual activity in an individual and societal sense. They are a provocation against egoism, hatred, violence, greed, indifference, looking the other way, timeless stupidity and arrogance. (I realize that superlatives are mutually exclusive: Here they complement each other!)