Reparaturmanifest (Teil 2)


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Quelle : iFixit

Die Aussagen in dem Reparaturmanifest von „iFixit“ decken sich prinzipiell mit denen der hier im Blog bereits geposteten  ersten Version. Trotzdem :

Diese Bewegung kann ich nur unterstützen, weil hier Realismen greifen und klar ausgesprochen werden, die der Ökonomie nicht unbedingt gefallen. Denn : Wenn etwas kaputt geht, dann soll der moderne Mensch etwas Neues und Aktuelles kaufen. Warum das auch anders geht, erklärt das Manifest hinreichend. Nach wie vor gilt die Aussage : „Wir haben noch keinen Ersatzplaneten.“

Jedes Jahr ein neues z.B. Smartphone ? Die kommenden Generationen werden es uns ‚danken‘ …….

iFixit hat das Reparaturmanifest zur freien Verwendung freigegeben :

http://eustore.ifixit.com/Das-iFixit-Manifest/

BlackBerry© Passport (nach 4 Monaten Nutzung)


BlackBerry© Passport (nach 4 Monaten Nutzung)

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Foto : mein Passport

Dass dieses Gerät anders ist als andere Smartphones, sieht man natürlich auf den ersten Blick. Meine Skepsis bezog sich anfangs auf den Formfaktor und damit auf die Breite und .. ja .. die Ecken. Als ich das Teil dann in meinen (nicht kleinen)  Händen hielt,  war ich überrascht in der Weise, dass es griffig meine Innenhandfläche ausfüllte und dabei haptisch angenehm wirkte. An dem Eindruck hat sich auch nach vier Monaten intensiver Nutzung nichts geändert. Eher im Gegenteil. Die Hardware ist dem Preissegment entsprechend wertig. Die Tasten funktionieren wie am ersten Tag. Die Wisch-Scrollgesten über die Tastatur erlauben im Zusammenspiel mit der Software einen einzigartigen Bedienungskomfort. Mir kommt es am Smartphone nicht unbedingt auf die Tippgeschwindigkeit an, die ich als ‚Zehnfinger-blind-Schreiber‘ auf einer Mactastatur auf ca. 300 Anschläge ‚performe‘. Nein, das Zusammenspiel von Haptik und Komfort eines größenmäßig mit einem Notebook oder Tablet vergleichbar kleinen Alleskönners muss den Griff in die Tasche nicht zu einem notwendigen ‚Übel‘ werden lassen, sondern eben das Gefühl des vertraut Angenehmen vermitteln. Einen digitalen Assistenten hervorzuziehen, der der Bezeichnung auch gerecht wird und sich dabei auch noch gut anfühlt. Mein Passsport erfüllt diese, meine Ansprüche in einer Weise, für die ich am Markt keine Alternative sehe.

Nach nunmehr vier Monaten sage ich, dass  :

  • ich den Kauf nicht bereut habe
  • das Gerät seinen Preis wert ist
  • speziell die nativen Excel-Anwendungen keine Fingerakrobatik erfordern
  • die Kommunikation mit meinen Macs harmonisch verläuft – also sehr gut funktioniert
  • der ‚bigger screen‘ auch einer ist
  • das Tippen einfach Spaß macht
  • die Akkulaufzeit bei mir zwei volle Tage beträgt
  • die Kamera besser ist als die Kritiken suggerieren
  • das Multitasking flüssig vonstatten geht
  • in der app ‚Remember‘ Notizen und Diktate wiederfindbar und sinnvoll organisierbar sind
  • mit Blackberry Blend eine Synchronisierung in Echtzeit nahtlos erfolgt
  • die Gesprächsqualität ihresgleichen sucht
  • es bei der ‚end-to-end‘ – Philosophie bleibt und damit der User gut gesichert ist
  • dass ……….

Bleibt die Hoffnung, dass Blackberry die Hardwaresparte nicht aufgibt und weiterhin solche Produkte auf den Markt bringt, die mit der jeweils aktuellen Technologie nicht bedingungslos im Mainstream mitschwiimmen will. Absolut unverständlich für mich ist, dass Blackberry kommende Geräte nicht mit dem eigenen, einzigartigen Betriebssystem ausstatten will, sondern mit Android. — In einem solchen Fall kann ich nur hoffen, dass mein Passport noch Jaaahre wie gewohnt seinen Dienst verrichtet.

Spruch : Blackberry … I need an tool .. not a toy

‚Blenderich‘


Blenderich

Es war einmal ein reiches Land

das Zentrum in Europa

das jeder fast noch lustig fand

vom Kleinkind bis zum Opa

Und alle aalten, suhlten sich

in dem, was sie so hatten

befeuert von dem Blenderich

der sitzt auf ihren Steuermatten

Er ist gewählt von Volkes Gnaden

und redet ihnen nach dem Mund

nur Andre machen üblen Schaden

bei ihm bleibt alles stets gesund

Das haben wir immer so gemacht

Da kann ja jeder kommen

So haben wir’s noch nie gemacht

Die Drei als Beispiel mal genommen

Der vierte Punkt, das ist doch klar

was soll denn das schon sein

Politiker in holder Schar

sie reden alles kurz und klein

Die Worte fallen ja so leicht

durch weiß gebleichte Zähne

das Harte klingt dann wohlig seicht

erzeugt des Volkes Rumgegähne

im Wahlkampf sieht’s dann anders aus

denn das ist ihr Alarm

dann holt man flink die Keule raus

es soll ja bleiben wohlig warm

Dann sitzen sie vor Kameras

da wird gelogen in die Runde

in Talkshows ist dann der ein Ass

der locker hat den Spruch im Munde

Gesellschaftlich ein Trauerspiel

gelöst mit Kompromissen

so kommt man schließlich auch zum Ziel

und hat sich dabei nicht verschlissen

Politisch ist das schon korrekt

erzähl das mal den Armen

ob das den Billigjobber neckt

der winters sitzt nicht grad im Warmen

Verhandelt und entschieden hat

die Lebensqualität der Bürger

wohl der mit Politikmandat

der Wähler ist nachher dann klüger !

In diesem schönen, reichen Land

sind Randgruppen ein Übel

stehn oftmals schuldlos an der Wand

dann kommt der Absturz ohne Flügel

Nicht jeder ist so stark und reich

dass er den Wohlstand kann genießen

steht Schlange an der Tafel bleich

lässt manche Träne in sich fließen

Und parallel im Bundestag

da grinst der Blenderich und gröhlt

vom Lied der Deutschen wie er’s mag

hat längst den Inhalt ausgehöhlt.

Flüchtlinge


Wie fühlen sich Menschen, die in ihrem Ursprungsland alles aufgeben, um weiterleben zu können ? Die in eine völlig andere Umgebung, in ein ebenso unbekanntes Land mit einer für sie unverständlichen Sprache fliehen ? Die sich und ihre Familien und nahestehenden Menschen in Sicherheit bringen wollen ? Die raus wollen aus dem Irrsinn von Gewalt, Menschenverachtung .. raus aus dem Kriegsgebiet, das ihre Heimat war. Ihre Heimat … terrorisiert von Monstern, die vor nichts Halt machen. Nicht vor Menschenleben oder vor dem, was sie besitzen. Ich nehme als Beispiel Syrien und Irak. Volksgruppen wie die Yesiden wurden und werden gnadenlos verfolgt, regelrecht versklavt; die Frauen vergewaltigt, verkauft und damit maximal gedemütigt oder in einer Weise getötet, die jegliche Vorstellung sprengt. Allein die Erkenntnis, dass Menschen die Strapazen und traumarisiert sogar den Verlust des eigenen Lebens riskieren und dafür auch noch bezahlen, lässt erahnen, was da abgeht. Aber auch nur erahnen …

‚Diese‘ Menschen haben es dann geschafft, auf einem kaum oder nicht mehr seetüchtigen Schiff über das Mittelmeer zu gelangen oder auf dem Mittelmeer in schier hoffnungsloser Lage gerettet zu werden oder auf welche Weise auch immer … und erleben dann, dass sie vor riesigen Zäunen stehen und erkennen müssen, dass sie nicht willkommen sind, ja sogar mit Gewalt zurückgedrängt werden. Trotzdem wird das Risiko immer wieder eingegangen, in der verzweifelten Hoffnung, dass es ja doch klappen könnte, ein Land zu erreichen, in dem die Menschenrechte der Bedeutung des Wortes relativ nahe kommen – zum Beispiel Deutschland.

In dem Fall, dass sie dieses Land Deutschland erreichen und nun alles zum Besten wird, erleben sie die Zwiespältigkeit dieses Landes. Auf der einen Seite eine positive Willkommenskultur, die sich in Hilfe darstellt und … auf der anderen Seite das krasse Gegenteil. Niederfrequente Hohlköpfigkeit, die sich nicht nur in (Hass-)Parolen manifestiert, sondern in dem, was Flüchtlinge kennen und nicht dachten, hier wiederzutreffen : Ablehnung und dumpfe Gewalt in den hässlichsten Facetten. Sie sind in einem der reichsten Länder dieses Planeten und sehen, dass auch in einer solchen Gesellschaft die primitivsten Abgründe der Seele eine Nische gefunden haben und auf ihre Chance warten. Was dann in einer traumatisierten Seele vor sich geht, muss das blanke Grauen sein …

Hier darf ich die Talkshows nicht vergessen, in denen die Besserwisser und alles ‚Gutreder/innen‘ (norddeutsch : ‚Glattsnacker‘) sitzen und krähen, dass ja nur die jeweils andere Partei schuld ist .. natürlich an Allem. Selber hätte man natürlich alles anders und auf jeden Fall intelligenter und damit besser gemacht. Das noch zu kommentieren erzeugt die Gefahr, einer solchen Denkweise auch noch den roten Teppich auszurollen, in der Inhalte und Argumentationen in einer empathiearmen Zone landen. Was heißt das ? Ein Esel ist ein hübsches Tier, doch wenn er auf’s Glatteis gerät, dann macht auch er eine komische Figur. (Das Beispiel hinkt .. wie jedes). Hier rede ich nicht gegen öffentliche Diskussionen, die ein Kern der grundgesetzlich verankerten, freien Meinungsäußerung darstellen, sondern von dem Problem, wie sie geführt werden und wer auf wen losgelassen wird. Eine Diskussion über die hier behandelte Problematik ‚Flüchtlinge‘ sollte ein konstruktiver Vergleich zwischen unterschiedlichen Ansichten mit dem Versuch eines ebensolchen Ergebnisses im Sinne eines ‚kleinsten, gemeinsamen Vielfachen‘ (Minimalkonsens) sein und keine Redeschlacht, in der der rhetorisch besser Geschulte und Lauteste auch noch das letzte Wort hat.

Fazit : Allgemeiner Konsens in diesem Lande sollte sein, dass Menschen, die nicht nur Deutschland, sondern europäisches Land betreten, menschenwürdig behandelt werden. Die einzelnen Länder haben dafür Sorge zu tragen, dass das uneingeschränkt der Fall ist ! Das war und ist die unmissverständliche Aufgabe der Politik. Offensichtlich geht das wohl nicht ohne ein konkretes ‚Einwanderungsgesetz‘ für die europäischen Länder, um das sich keines der Länder herummogeln kann. Das wäre schon einmal eine klare Linie – eine Direktive, ohne Geschwafel und den Vorrang von Länderegoismen. Das zu konkretisieren und festzuzurren hätte Leuchtturmcharakter. Bänke, auf die etwas geschoben werden soll oder kann, müssen nicht zwingend lang sein, wenn es um jeden einzelnen Menschen geht, der Hilfe braucht !

Warum schreibe ich das hier :

Meine Eltern, meine Geschwister und ich waren selber Flüchtlinge, die im westlichen Teil dieses Landes (bei Verwandten) in beispiellos selbstloser Weise aufgenommen und versorgt wurden, bis wir eine eigene (Miets-) Wohnung beziehen konnten. Am eigenen Leibe habe ich damals erfahren, was es heißt, der ‚Flüchtlingsjunge‘ zu sein. Mir ist bewusst, dass der Vergleich zu den aktuellen Flüchtlingen aus den Kriegsgebieten tatsächlich hinkt, weil wir damals recht abgepolstert in die neue Situation fielen. Meine Herkunftsfamilie hat sich sehr schnell integriert und gehörte nach einiger Zeit einfach dazu. Das war sehr schnell möglich, da keine sprachlichen Barrieren zu überwinden waren.

Die Sprache ist das A und O, um eine Integration erfolgreich werden zu lassen. Zu uns in dieses Land kommende, anderssprachliche Menschen sollten konzentriert in die Landessprache ‚Deutsch‘ eingeführt werden. Die Fördermittel dafür wären bestens angelegt.

Abschließend noch ein Zitat von Marie Curie :

> Durch gemeinsame Kenntnis voneinander verliert das Fremde sein Gesicht <

Warum die Deutschen über Europas Einigung abstimmen sollten


© Süddeutsche Zeitung GmbH, München. Mit freundlicher Genehmigung von http://www.sz-content.de (Süddeutsche Zeitung Content).

Warum die Deutschen über Europas Einigung abstimmen sollten

Der Historiker Heinrich August Winkler kritisiert im SZ-Gespräch die Angst vor den Deutschen in Europa – und erklärt, welch gravierende Folgen deutsche Reparationen an Griechenland hätten.

Interview von Oliver Das Gupta, Berlin

Heinrich August Winkler, Jahrgang 1938, ist einer der bedeutendsten Historiker Deutschlands (hier ein Porträt von Franziska Augstein). Schon als Schüler interessierte er sich für Europa und engagierte sich politisch – zunächst für die CDU. Nachdem die Konservativen den Kanzlerkandidaten Willy Brandt persönlich angegriffen und diffamiert hatten, trat Winkler 1962 in die SPD ein. Im Alter von nur 32 Jahren wurde Winkler als Professor an die FU Berlin berufen, danach lehrte er in Freiburg und zuletzt wieder in Berlin, diesmal an der Humboldt-Universität.

Winkler hielt 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges die Gedenkrede im Bundestag. In seinem zweibändigen Werk „Der lange Weg nach Westen“ schildert Winkler die deutsche Geschichte von 1806 bis 1990, im September erscheint sein Aufsatzband „Zerreißproben. Deutschland, Europa und der Westen. Interventionen 1990-2015“. (C.H. Beck).

 SZ: Herr Winkler, welche Rolle wünschen Sie sich für Deutschland in Europa und der Welt?

Heinrich August Winkler: Mein erster Gedanke ist: Keine deutschen Sonderwege, auch nicht in Zukunft. Wir sollten uns immer mit unseren Nachbarn abstimmen, zuallererst mit Frankreich, aber auch mit Polen und den anderen Partnern. Deutsche Interessen, die nicht mit den Interessen der Europäischen Union verträglich sind, sind nicht legitim. Die EU besteht aus postklassischen Nationalstaaten, die Hoheitsrechte an supranationale Einrichtungen abgegeben haben oder gemeinsam ausüben. Ein Rückfall in die Denkkategorien des souveränen Nationalstaats wäre ein dramatischer Rückschritt.

Und Ihr zweiter Gedanke?

Mehr Europa darf es nicht um den Preis von weniger Demokratie geben. Integrationsfortschritte müssen einhergehen mit entsprechender parlamentarischer Mitverantwortung. Und dieser Integrationsprozess muss von der Bevölkerung gewollt werden.

Die EU-Bürger sollen in Referenden abstimmen?

Wenn ein qualitativer Sprung in der Europäischen Einigung anstehen sollte, ein Schritt hin zu einer weiteren bedeutsamen Verlagerung von Kompetenzen auf die EU oder die Währungsunion, dann sollten die Bürger darüber abstimmen. Das erfordert in Deutschland eine europapolitische Revision des Grundgesetzes. Letztlich läuft das auf ein Verfassungsreferendum nach Artikel 146 des Grundgesetzes hinaus.

 

Was ist für Sie das Ziel des europäischen Einigungsprozesses?

Ich wünsche mir ein Europa, das in den großen Fragen mit einer Stimme spricht. In der bislang noch nicht vergemeinschafteten Außen- und Sicherheitspolitik wird man die Regel der Einstimmigkeit modifizieren müssen. Bevor wir aber die „Finalität“ der EU sprechen, muss erst einmal ein Grundkonsens der 28 Mitgliedsstaaten in Sachen Demokratie und Rechtsstaat geschaffen werden.

 

In welchen Ländern sehen Sie Probleme?

Ich denke da an Ungarn mit dem nationalkonservativen Regierungschef Viktor Orbán. Er spricht vom Ideal einer antiliberalen Demokratie und nennt Erdoğans Türkei und Putins Russland als Vorbilder. In Rumänien ist ein Mann Ministerpräsident, gegen den die Staatsanwaltschaft wegen Geldwäsche, Urkundenfälschung und Steuerhinterziehung ermittelt.

Victor Ponta. Seine parlamentarische Immunität schützt ihn bislang vor der Justiz.

Beide Fälle sind für sich genommen ein Skandal. Ich habe aus der jetzigen EU-Kommission keinen Protest vernommen. Die europäischen Schwesterparteien schauen leider ebenso weg: Die EVP drückt bei Orbán gerne ein Auge zu. Ähnlich verhalten sich Sozialdemokraten und Sozialisten, wenn ihr angeblicher Parteifreund Ponta wieder etwas tut, was im krassen Gegensatz zu den Grundprinzipien der EU steht. Das ist falsch verstandene Solidarität.

Kann sich Europa nur als Ganzes weiterentwickeln? Oder sollten einige Länder vorangehen?

Das kommt darauf an: Wenn einige Länder damit beginnen, verstärkt eine gemeinsame Außenpolitik zu betreiben, halte ich das für richtig. Wir leben seit längerer Zeit ohnehin schon in einem Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten: Einige Mitglieder sind Teil der Währungsunion, andere nicht. Die Herausbildung eines Kerneuropa darf allerdings nicht dazu führen, dass es eine neue Ost-West-Spaltung gibt.

Deutschland ist der bevölkerungsreichste EU-Staat und hat die größte Wirtschaftskraft. Verändert sich im krisenhaften Europa gerade die Rolle der Bundesrepublik?

Deutschland trägt eine hohe Verantwortung für den Zusammenhalt der EU. Aber nicht die deutsche Frage ist wieder offen, sondern die europäische Frage ist immer noch so offen, wie sie in Maastricht geblieben ist.

Dort ist 1991 die Währungsunion beschlossen worden, aber nicht die politische Union.

Und auch die Fiskalunion fehlt bislang. Die Währungsunion kann nicht dauerhaft stabilisiert werden, so lange Haushalts- und Fiskalpolitik nicht harmonisiert sind. An diesem Mangel krankt der Euro. Das ist das eigentliche Problem, über das im Zusammenhang mit Griechenland momentan diskutiert wird. Vor allem aber müssen Frankreich und Deutschland sich auf einen gemeinsamen Weg zur Vollendung der Währungsunion verständigen.

 

Wie könnte dieser Weg aussehen?

Auf jeden Fall muss es ein ausgewogenes Verhältnis geben zwischen fiskalischer Konsolidierung und wirtschaftlichem Wachstum. Ein historischer Kompromiss zwischen Berlin und Paris müsste auf ein Miteinander von Strukturreformen und Wachstumspolitik abzielen.

 

Welche Fehler hat die deutsche Seite gemacht?

Berlin hat den Eindruck erweckt, dass Sparen allein ausreiche, um zu Wohlstand zu gelangen und dass Austerität die Mutter der Prosperität sei. Das ist zu einseitig. Richtig ist aber auch: Ohne Konsolidierung der Finanzen und ohne strikte Beachtung der Schuldentragfähigkeit ist anhaltendes Wachstum nicht möglich. Es ist ein vulgärkeynesianischer Aberglaube, man könne ausgebliebene Strukturreformen mit deficit spending – kreditfinanzierten Invesitionen des Staates – kompensieren. Dabei geht es nicht um spezifisch deutsche Interessen, sondern um die Interessen der Währungsunion. Was die Erklärung einer solchen Politik angeht, gibt es da sicherlich eine deutsche Bringschuld. Die Bundesregierung ist gut beraten, wenn sie ihre Ziele immer wieder geduldig und allgemein verständlich darlegt.

Durch die harte deutsche Position bei den Griechenland-Verhandlungen ist in Europa Angst vor einem teutonischen Hegemon entstanden. Zur Sorge kommt eine regelrechte Wut auf die Deutschen, Nazi-Vergleiche inklusive.

Manche Debattenbeiträge der jüngsten Zeit sind so emotional und voller Ressentiment, dass man nur hoffen kann, dass es sich um ein Übergangsphänomen handelt. Vieles davon ist sicherlich auch gesteuert und manipuliert, denken Sie an die Berlusconi-Presse in Italien. Vieles erklärt sich schlicht aus dem Erfolgsgefälle der Volkswirtschaften.

Ist die Angst vor einer deutschen Übermacht berechtigt?

Nein. Es geht nicht um deutsche Dominanz, sondern um eine grundsätzliche Frage: Kann eine Währungsunion Bestand haben, obwohl ihre Regeln immer wieder verletzt werden? Oder muss es Grundkonsens sein, dass die vereinbarten Regeln gelten und nur einvernehmlich geändert werden können? Ich halte Letzteres für richtig. Insofern vertritt Berlin nur die Logik der Währungsunion gegenüber denen, die im nationalen Interesse Abweichungen von den Regeln zum Prinzip erheben wollen. An solchen Differenzen kann die Einheit der Eurozone zerbrechen.

 

Bei Grundsatzfragen sollte Berlin also nicht nachgeben?

Deutschland darf nicht, das Falsche tun, nur um möglichst populär zu sein. Im Übrigen vertritt die große Mehrheit der Eurostaaten dieselbe Linie wie Deutschland.

Westdeutschland bekam 1953 einen Schuldenschnitt, Griechenland bislang keinen. Ist das gerecht?

Man muss unterscheiden: Die Bundesrepublik bekam damals einen Teil der Vorkriegsschulden aus der Zeit vor 1939 erlassen. Das geschah, weil man davon ausging, dass Westdeutschland keine neuen Schulden machen würde. Ich bin sehr dafür, dass man Griechenland entgegenkommt, wenn Athen die seit Jahrzehnten verschleppten Reformen ernsthaft angeht. Ein klassischer Schuldenschnitt wäre aber bei einem Grexit leichter gewesen. Der Vertrag von Maastricht verbietet einen „bailout“, eine gemeinsame Schuldenhaftung.

 

Im Falle Griechenlands gibt es noch die Frage der Reparationen für die deutsche Besatzung und Verbrechen während des Zweiten Weltkrieges. Sollte Berlin seine Meinung ändern und zahlen?

Wenn man dieses Kapitel noch einmal anginge, würde man die Büchse der Pandora öffnen. Es gäbe einen Dominoeffekt. Auch andere Länder würden entsprechende Forderungen stellen, und zwar nicht nur an Deutschland. Rom etwa könnte auch von Griechenland und den Nachfolgerepubliken Jugoslawiens zur Kasse gebeten werden, auch von Äthiopien und Libyen, wo die Italiener Kriegsverbrechen begangen haben. Die ehemaligen Kolonien könnten ebenso Forderungen stellen an frühere Kolonialmächte und so weiter. Das wäre das Ende von internationaler Rechtssicherheit und würde die Weltwirtschaft in gewaltige Turbulenzen stürzen, von den politischen Verwerfungen ganz zu schweigen. Deshalb sollten wir die Reparationsfrage nicht neu aufgreifen. Das lehrt auch die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg.

 

Gibt es andere Wege, Überlebenden und Nachfahren von Opfern zu helfen?

Ja. Lösungen, die von Reparationen abgekoppelt werden können, müssen konstruktiv geprüft werden. Deutschland muss sich nach wie vor seiner Verantwortung bewusst sein gegenüber Ländern wie Griechenland. Berlin sollte Athen deshalb bei jeder Art von Zukunftsinvestitionen nach besten Kräften helfen.

Griechenland


Nach all dem den Medien entnommenen Hin und Her über das Problem ‚Griechenland‘ poste ich hier   mein Statement dazu :

Die Wurzel des scheinbar endlosen Problems lag in der Tatsache, dass Griechenland mit geschönten Zahlenwerken in die Währungsunion gelangte. Das war damals sicherlich schon erkennbar, ging aber durch die Prüfungsgremien. Da wurde ganz offensichtlich darauf gesetzt, dass das Land -oder besser die jeweilige Regierung- sich durch Reformen und Anpassungen ökonomisch und politisch in die Eurozone eingliedert. (Austerität) Das geschah nicht. Ein aufgeblähter Beamtenapparat, Korruption, kein Kataster, kaum Steuerkontrolle – organisatorische Mängel vorne und hinten. Das Desaster war absehbar und nur eine Frage der Zeit. Nur – nun war das Land in der Währungsunion und steuerte schnurstracks auf die Staatspleite zu. Ergebnis : Der Status als €-Land forderte natürlich die Solidarität der anderen EU-Mitgliedsstaaten. Die sogenannten ‚Rettungspakete‘ kommen da ins Spiel. Erst eins, dann zwei und nun drei an der Zahl. Insgesamt mittlerweile in dreistelliger Milliardenhöhe. Die griechische Regierung setzte auf das ‚gute‘, alte Pokerspiel und zockte hemmungslos, beleidigte andere Staaten, zumindest in erster Linie Deutschland und die dominanten Politiker und die Staatenlenkerin. Als die griechische Regierung realisierte, dass ihr Pokerspiel doch nicht dahin führte, wohin sie wollte, ruderte sie zurück. Wie ein Katz und Maus-Spiel. Nur hier ging es nicht um ein Spiel, sondern um Milliarden an Steuergeldern. Geld also, dass von Steuerzahlern anderer Länder erarbeitet und damit erwirtschaftet wurde. Geld, dass in den jeweiligen Ländern sicherlich verwendet werden könnte für Infrastruktur oder Sozialwesen.

Dass das hier so einfach Zusammengefasste zweifellos in den Details komplexer war und ist, erscheint völlig klar. Nur … da bleibt die Gretchenfrage : Wäre der sogenannte Grexit kalkulierbarer gewesen als ein weiteres Hilfspaket ?

Warum sollte den Griechen geholfen werden ?

Unbestritten spielte und spielt Deutschland eine recht dominante Rolle in der Problematik. Deutschland, dass selber einen Schuldenschnitt bis zum Jahr 1939 nach dem Desaster, dass es über diesen Planeten gebracht hat, zugesprochen bekam, dreht und wendet sich in einer Weise, die schon fast beschämend ist. Diesem Land wurde von den sogenannten Siegermächten wieder auf die Beine geholfen, weil diese davon ausgingen, dass Deutschland keine Schulden mehr machen würde und der sprichwörtliche Fleiß der Deutschen Wachstum erzeugen würde. Und genau das geschah, was das Wachstum betraf. Es ist eines der reichsten Länder dieses Planeten. Auch basierend auf dem Vertrauen und der -man könnte durchaus sagen- Großzügigkeit der Alliierten. Das hat diesem Land einen hervorragenden Neustart ermöglicht. Genau das sollte kein Deutscher vergessen. Und kein Deutscher sollte das nur als Selbstverständlichkeit für sich herausstellen, weil wir ja so musterhaft sind. Das Problem ist immer, dass die Zeit sowas sehr schnell zudeckt und kaum jemand unangenehm Historisches, also Schnee von gestern, in die Gedanken- und Verhaltenswelt von heute ziehen und wahrnehmen möchte. Fakt ist, dass die ehemaligen Kriegsgegner diesem Land die Möglichkeit zusprachen, wieder aufzustehen, den Nachhall der Diktatur der Verbrecher und Massenmörder zu überwinden und einen demokratischen Staat aufzubauen. Es waren also die Mächte, denen millionenfaches Leid aufgedrückt wurde, die dem Täterland die Chance des Neuaufbaus und einen vertrauensvollen Neustart ermöglichten. Da kann man definitiv nur den Hut ziehen.

Dieses derart begünstigte Land Deutschland sollte sehr vorsichtig damit sein, eine Art Dominanz anderen Ländern gegenüber zu erzeugen und sich entsprechend zu verhalten, deren Karren bildlich vor der Wand steht. Mit vollem Bauch lässt sich hochmütig vom problemlosen Ertragen des Hungers reden und handeln.

Meine Sicht :

Austerität erzeugt nicht zwingend -oder wie auch immer- Prosperität. (Oder : Disziplin oder Strenge ist nicht unbedingt mit dem damit verbundenen Wohlstand einer Gesellschaft verbunden). Muss aber auch nicht marginal (nebensächlich) sein.

Hilfspakete an Griechenland sollten sinnvollerweise eine win/win – Situation erzeugen, indem sie an dringend durchzuführende, konsequente Reformen gebunden werden. Wie gesagt, konsequent und ohne ‚Daumenschrauben‘, die die Bevölkerung dramatisch leiden lässt. Das ist immer ein Nährboden für extreme, politische Randgruppen, deren Ziel immer das Aushebeln demokratischer Prinzipien ist. Wie das dann funktionieren kann, ist die eindeutige Aufgabe der Politik, in der sie ihre Kompetenz unter Beweis stellen kann und muss.

Es darf in keinster Weise in Kauf genommen werden, dass diese EU wieder in Nationalstaaten auseinander fällt. Nicht koste es, was es wolle … aber es darf tatsächlich nicht daran scheitern, dass Staaten wie Deutschland, die selber in einer absoluten Nehmersituation waren, lehrmeisterlich Bedingungen stellen, denen sie in ihrer damaligen Situation nicht ausgesetzt waren. Deutschland wurde geholfen und wieder auf die Beine gestellt – durch Vertrauen. Drohgebärden wie die des deutschen Finanzministers (Grexit auf Zeit) sind da absolut kontraproduktiv, ja aus meiner Sicht sogar unerträglich und ja … arrogant.

Es wird lange dauern (Jahre ?), bis in Griechenland die Gesellschaftsordnung funktionierend korrigiert ist, doch es wird sich lohnen. Dass das nicht billig sein wird, leuchtet sicherlich jedem ein. Es ist aber ein Schritt in die richtige Richtung, denkt man in Richtung Fiskalunion oder an eine föderalistisch ausgerichtete Staatenunion. Große Ziele, die nur erreichbar erscheinen, wenn die einzelnen Staaten mit auf diesen ‚Weg‘ genommen werden.

Das Schlüsselwort dabei ist : Transparenz. Und zwar der jeweiligen Bevölkerung gegenüber. Die Menschen müssen den Eindruck und die Wahrnehmung haben, dass sie mit einbezogen und gefragt werden, wenn schon mit ihrem erwirtschafteten Geld (Steuern) ein erheblicher Aufwand für Hilfe einer anderen Gesellschaft im Hause Europa bewegt und aufgewendet wird. Verhandlungen und Beschlüsse hinter verschlossenen Türen tragen nichts dazu bei, sondern erzeugen Misstrauen gegenüber Mandatsträger und das Selbstgefühl der Bürger, nur Stimmvolk zu sein. Mit Transparenz meine ich auch sogenannte Volksbefragungen mit dem bewussten Risiko des Einbezugs bildungsferner Teile der Bevölkerung. Das funktioniert, wie man in der Schweiz sehen kann.

Das so mühevoll aufgebaute, halbfertige Haus Europa braucht die vollherzige Unterstützung und Einbringung der Strippenzieher in Richtung Fertigstellung, also einer Fiskal- und Staatenunion, um tatsächlich eine Befriedung der Mitgliedsstaaten zu besiegeln. Das ist die höchste Priorität und Hauptdirektive, wenn auch die Schritte dahin mit harter Arbeit und mit Intelligenz ohne eigennützige Hintergedanken verbunden sind. … Ich habe den Eindruck, dass so eine Roadmap im Bewusstsein der Entscheidungsträger noch nicht ganz festgezurrt ist ! Das ist gefährlich und darf nicht durch Nationalstaatendenken ins Hintertreffen geraten ! Dann wird das was ……

Das ist die sinnvollste Ergänzung des Wortes ‚Hilfspaket‘.

Mein zweites literarisches Machwerk : ‚ Menschenhand ‚


http://www.amazon.com/Menschenland-German-Edition-Joachim-Rohlfing/dp/3899067797

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Bild: Das Buchcover

Mein zweites literarisches Machwerk : ‚ Menschenhand ‚

Dieses Buch gehört einfach in diese Kategorie, weil es ein eigenes ist. Genauer gesagt mein Zweites, mit dem ich mich in die Öffentlichkeit traue. Das war bereits im Jahre 2005. Ein Bestseller ist es auch nicht geworden. Nach zehn Jahren kann ich allerdings sagen, dass meine ursprüngliche Intention nicht der kommerzielle Erfolg war (und ist !), sondern tatsächlich das gute Gefühl, dass das überhaupt von jemandem gelesen wird. Bis heute habe ich nicht den Ansatz eines Bedarfes an Marketing, weil ich diese Art der Aufdrängung überhaupt nicht mag. Und das ist tatsächlich sehr ‚homogen‘ formuliert.

Mir geht es um die Botschaften in den einzelnen Gedichten und Geschichten. Zugegeben : So manches Gedicht darin sollte mindestens zwei Mal gelesen und reflektiert werden. Ebenso die eine und andere Geschichte. Ein, man könnte sagen ‚anstrengendes Werk‘. Kein Lesestoff für nebenbei und damit sicher auch nicht für jeden interessant. Ein Buch jenseits jeglichen Mainstreams, sofern man da den Plural akzeptieren kann.

Am Schluss gibt es dann eine Story (‚Laie‘), bei der so manch lesender Mensch das Ding zuklappen und denken oder sagen wird, dass der Autor ’nicht alle Tassen .. ……. …‘ . So einfach kann (nicht-)lesen sein. Nur .. Einige bleiben nachdenklich und fragend im Thema. Und genau das ist die Leserschaft, die in den Text hineinkriecht. Was will ich mehr …

An dieser Stelle poste ich mal ein charakteristisches Beispiel in Form meines Gedichtes ‚Pärchen‘, das in einige Anthologien Einzug fand. Auch hier lege ich Wert darauf, dass vor einer weiteren Verwendung mein Einverständnis eingeholt wird und belege es daher mit dem © .

Pärchen

Die emsig stetigen Begleiter
auf Weltenbühnes Menschenleiter
sind zwei, die bestens sich ergänzen
mit Macht und Ohnmacht billig glänzen
in kalter Brachialmanier
verschleiern sie die `Background-Gier´
sie herrschen absolut feudal
in Hohlköpfen – verdammt noch mal
sie schließen Bündnisse mit allen
die blind vor ihnen niederfallen
sie fürchten weder Tod noch Teufel
in Egozentrik ohne Zweifel
Wer ist denn nun besagtes Paar
im Outfit, wie es immer war ?
die grinsen als Realpopanz
es sind – Dummheit und Arroganz

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Noch‘ n Gedicht : (Buchrückseite)

Denken

Die eine Möglichkeit zu denken
ist wahllos sich Gedanken schenken
die kollektiv kanalisiert
berechnet und dann ausseziert
in ungeahnte Enge führt
als hätt‘ der Geist sie nie berührt

Die nächste Möglichkeit geschieht
wenn Enge in die Weite zieht…